Fahrzeuglackierer
Das Berufsbild des Fahrzeuglackierers umfasst das Gestalten von Fahrzeugen, Fahrzeugteilen, Aufbauten und Spezialeinrichtungen. Sie planen ihre Arbeit und führen Lackierungen, Werbemotive, Beschriftungen sowie Spezial- und Effektlackierungen aus. Außerdem schützen, beschichten und konservieren Fahrzeuglackierer Oberflächen und setzen diese instand. Besonders kreativ ist die individuelle Bildgestaltung auf Fahrzeugen, Motorädern oder Snowboards. Notwendige Montage- und Demontagearbeiten werden ebenfalls durchgeführt.
Die Ausbildung zum Fahrzeuglackierer bzw. zur Fahrzeuglackiererin dauert 3 Jahre und wird im dualen System in der Fahrzeugindustrie und im Handwerk, bspw. in Karosseriereparaturwerkstätten, angeboten. Als Zugangsvorrausetzung wird in der Regel mindestens der Hauptschulabschluss genannt. Eine künstlerische Affinität sowie gutes Farbsehvermögen sollten ebenfalls vorhanden sein.
Die Innungen und Handwerkskammern bieten Weiterbildungsseminare an. Außerdem ist es möglich, seinen `Meister` zu machen und so in die Selbstständigkeit zu gehen oder sogar eine Fachhochschule zu besuchen.
Schäden an Fahrzeugen
Bei der Schadensaufnahme wird durch eine erste Sichtprüfung der Schaden am Kraftfahrzeug festgestellt. Bspw. lassen sich Spaltmaßabweichungen, Dellen, lose Bauteile sowie Glas- und Lackschäden, abgelöste Abdichtungen, Blechverformungen, Lackabplatzungen mit dem bloßen Auge erkennen. Spaltmaßabweichungen an Motorhaube, Kofferraumdeckel oder Positionsveränderungen an Befestigungspunkten von Motor, Achsen oder Getriebe lassen auf einen Unfall schließen. Versteckte Schäden sind von außen nicht erkennbar. Um diese zu erkennen, müssen Schrauben- und Schweißverbindungen, Leuchtenfassungen, Kofferraumboden, Karosserieknotenpunkte, etc. überprüft werden. Karosserieknotenpunkte befinden sich in Form von Punktschweißverbindungen an der A-, B- und C-Säule.
Um die Kosten der Instandsetzung zu kalkulieren, wird ein Reparaturweg festgelegt. Dabei wird noch entschieden, ob es wirtschaftlicher ist, Teile instand zu setzen oder zu erneuern. Außerdem werden Rückverformungen und Glättung von Bauteilen, Karosserie- und Achsvermessung sowie Endkontrolle und Korrosionsschutz festgelegt.
Bei der Demontage von Bauteilen am Auto müssen Zeit und Kosten gering gehalten werden. Die Arbeitsschritte sind deshalb zu planen.
Farben und Gestaltung
Mit Farbordnungssystemen werden die 10 Millionen Farben, die der Mensch unterscheiden kann, dargestellt. Dazu gibt es Farbtonkarten, Farbkreise, Farbreihen, Farbdreiecke und Farbkörper. In der DIN 6164 ist das Farbsystem als ein auf der Spitze stehender Kegel geordnet. Das RAL-Farbsystem besteht aus einem Farbenatlas in dem jede Farbe aus einer von 9 Farbreihen stammt und aus einer vierstelligen Zahl sowie einer Kennnummer besteht.
Unter verschiedenen Lichtquellen (Tages- oder Kunstlicht) empfindet der Mensch gleiche Farben als ungleich empfinden. Fehlen bestimmte Farbanteile im Spektrallicht, kann auch die totale Farbwiedergabe nicht stattfinden.
Farbkontraste werden durch Gegenfarben (Kalt-Warm-Kontrast), unterschiedliche Helligkeit der Farben (Hell-Dunkel-Kontrast) oder unterschiedliche Farben bzw. unterschiedliche Sättigungen erreicht. Außerdem werden Kontraste durch unterschiedliche Mengen (Quantitätskontrast), durch gleiche oder ähnliche Helligkeiten (Flimmerkontrast) oder durch simultane Betrachtung (Simultankontrast) erreicht.
Die DIN 2403 und RAL geben Farbempfehlungen für Orientierungs-, Ordnungs- und Sicherheitseinrichtungen. So steht Rot für unmittelbare Gefahr und Grün für Gefahrlosigkeit.
Die Farbbestimmung erfolgt durch die Spektralanalyse und misst den Rot-, Blau- und Grünanteil (X, Y und Z Gehalt) einer Farbe.
Farbtonabweichungen entstehen durch die Verwendung unterschiedlicher Lacke, verschiedener Qualitäten oder die Anwendung unterschiedlicher Beschichtungsverfahren. Glanzverluste von Lackierungen entstehen durch saure Niederschläge, Insekten- und Vogelkot sowie Baumharze.
Fahrzeuge sind mit einer Farbcodierung ausgestattet, die es erlaubt, den Originalfarbton nachzumischen. So kann die Reparaturlackierung in Übereinstimmung mit dem Originallack hergestellt werden.
Beschichtungstechnik
Untergründe
Metallische Untergründe
Fahrzeuglackierer haben an Fahrzeugen überwiegend mit Metalloberflächen zu tun. Metallteile bestehen aus Stahl, höherfesten Karosserieblechen, aus Kohlenstoffstahl und Aluminium.
Kunststoffoberflächen
Außerdem werden im Fahrzeugbau Kunststoffe verwendet. Auch immer mehr Außenteile werden aus Kunststoff hergestellt. Man unterscheidet folgende Kunststoffarten mit verschiedenen Eigenschaften:
- Thermoplaste: Schmelzen bei Erwärmung, werden spröde beim Abkühlen, lösen und quellen durch bestimmte Lösemittel.
- Duroplaste: Hart, nicht schmelzbar, unlöslich, schwach quellbar.
- Elastomere: hoch Elastisch bei Normaltemperatur, nicht schmelzbar, unlöslich, quellbar mit entsprechendem Lösemittel.
Mit verschiedenen Zusatzstoffen kommen im Automobilbau auch sogenannte Blends vor. Das sind Kombinationen aus verschiedenen Kunststoffen, die verschiedene gewünschte Eigenschaften verbinden.
Verschiedene Kunststofftypen im Automobilbau:
- Batteriegehäuse, PP: Polypropylen
- Seitenverkleidung, PC, PP/EPDM: Polycarbonat, Polypropylen, Etylenpropylen-Dimer
- Tankklappe, PA: Polyamid
- u.v.m.
Jeder Automobilhersteller gibt in der Regel verschiedene Methoden und Materialien frei, um die Kunststoffteile seiner Kraftfahrzeuge instand zu setzen. Auch die Reparaturbedingungen sind vorgegeben. So erlaubt bspw. Mercedes Benz, dass Abschürfungen und Kratzer, die tiefer als 1 mm sind, bei Reparaturen an Stoßfängerverkleidungen und -schutzleisten und nur, wenn die Kosten 75 Prozent des Neuteilpreises nicht überschreiten. Dabei darf mit dem Material `Teroson` geklebt bzw. gespachtelt werden. Übliche Lackreparaturmaterialien dürfen bei Kratzern und Abschürfungen bis 1 mm verwendet werden.
Vorbereiten der Kunststoffoberflächen
Herstellungsbedingt haften an Kunststoffneuteilen Trennmittel. Diese bestehen meist aus Silikonen und Wachsen, welche vollständig entfernt werden müssen. Ist das Reinigungsmittel abgelüftet, müssen die in den Kunststoffteilen verwendeten Treibmittel, die für ein aufblähen des Materials bei der Herstellung sorgen, entfernt werden. Dazu werden die Teile bei 60° eine Stunde aufgeheizt und daraufhin nochmals, diesmal mit Antistatikreiniger, entfettet. Das aufheizen nennt man Tempern. Nach der Entfettung wird ein Entfettungstest gemacht: Alkohol- oder Wassertropfen müssen sich auf der Fläche ausbreiten und verlaufen, sonst war die Reinigung nicht hundertprozentig.
Holz als Untergrund
Holzwerkstoffe, also zerkleinertes und mit Bindemitteln wieder zusammengefügtes und evtl. furniertes Holz, wird bspw. in Wohnmobilen oder im Laderaum von LKWs verwendet. Holzteile können auch an Anhängern, bspw. im landwirtschaftlichen Bereich, vorkommen. Auch Platten mit einer rutschhemmenden Oberfläche in Transportfahrzeugen sind denkbar.
Untergrundvorbereitung
Unbearbeitete Oberflächen werden erst mit Trocken- dann mit Nassschleifmittel angeschliffen und mit Silikonentferner gereinigt, um eine gute Haftung der Lackmaterialien zu gewährleisten. Unlackierte und unbeschädigte Blechteile müssen abschnittsweise mit immer frischen Reinigungsmitteln entfettet werden. Wässrige Entfettungsmittel sind in schwer zugänglichen Spalten und Fugen zu vermeiden, da sie später Korrosion hervorrufen können. Spalten sind in jedem Fall mit Pressluft auszublasen und die Flächen sind mit einem sauberen Lappen nachzureiben. Zum Entfetten können auch Hochdruckstrahlgeräte oder Dampfstrahler mit Zusätzen im Reinigungswasser eingesetzt werden.
Bleiben nach dem Ausbeulen Vertiefungen zurück, werden diese mit Kunststoffspachtelmasse oder Schwemmzinn aufgetragen. Bei größeren Unebenheiten ist die Anwendung von Schwemmzinn ratsam, da es ähnliche Eigenschaften wie das Karosserieblech besitzt. Bei aluminiumlegierten Blechen darf kein Zinn verwendet werden, da es zur elektrolytischen Korrosion kommen kann.
- Entrosten
Das Entrosten kann durch den Trockenschliff mechanisch erfolgen. Auf chemische Rostentfernung sollte in Ritzen und Spalten wegen späterer Korrosionsgefahr verzichtet werden. Mit einem mobilen Strahlgerät, welches Strahlmittel mit hoher Geschwindigkeit auf die zu entrostende Stelle bläst, kann man ebenfalls Rost entfernen. Bei Verzinkungen oder Aluminiumoberflächen muss das Strahlmittel Eisenfrei sein. Rückstände könnten Korrosion fördern. Kunststoffe werden mit weichen Strahlmitteln, bspw. Glasperlen oder Kunststoffgranulat, behandelt. Die raue Oberfläche, die beim Strahlen entsteht, darf eine maximale Rautiefe von 1/3 der Gesamtdicke aufweisen.
- Schleifen
Schleifen ist ein großer Teil der Reparaturarbeiten bzw. der Lackierungen und erfüllt mehrere Aufgaben. Die Oberfläche wird so für die Lackschicht vorbereitet: Der Untergrund wird aufgeraut und aktiviert bzw. geglättet. Schmutz, Korrosion und andere nicht tragfähige Beschichtungen werden entfernt.
Für die verschiedenen Oberflächen (Kunststoff, Aluminium, Stahl, verzinnte- oder verzinkte Flächen) gibt es verschiedene empfohlene Schleifpapierkörnungen und diverse Schleifpads. Bei der Reparaturlackierung wird bis auf den Decklack jede Lack- oder Füllerschicht mit Schleifmittel aufgeraut und egalisiert. Die verwendeten Schleifmittel gibt es kompakt oder fest, bspw. als Schmirgelscheiben oder Schleifsteine. Flexible Schleifmittel sind bspw. Schleifpapier, -tücher oder -schwämme. Die Unterlage der Schleifmittel bestehen in der Regel aus Papier, Gewebe, Fiber oder Kombinationen davon. Hinzu kommen Bindemittel und der Schleifbelag. Der Schleifbelag, oder auch das Schleifkorn, besteht aus natürlichen oder künstlichen Mineralien mit enormer Härte. Trotz Geräteeinsatz kann bei Kanten und Rundungen auf den zeit- und kostenintensiven Handschliff nicht verzichtet werden. Die Körnung der verwendeten Schleifmittel ist genormt, um gleichmäßige Resultate und eine Vergleichbarkeit mit anderen Produkten zu erreichen.
Grundsätzlich unterscheidet man beim Schleifen den Nass- und Trockenschliff. Wasser bindet beim Nasssschliff den anfallenden Staub und verhindert ein Zusetzen des Schleifpapiers. Allerdings müssen am Arbeitsplatz ein Wasserzufluss und ein Abscheidesystem für das Abwasser vorhanden sein. Beim Trockenschliff hingegen wird der Staub abgesaugt. Ein zusetzen des Schleifpapiers wird mit speziellen Belägen verhindert. Den Vorteilen des Trockenschliffs, wie bspw. der Maschineneinsatz, die Zeitersparnis weil das Nachtrocknen der Teile wegfällt oder die geringere Umweltbelastung weil kein Schleifwasser entsorgt werden muss, stehen Nachteile wie die höhere Gesundheitsbelastung durch anfallenden Staub oder ein ungleichmäßiges Schleifbild beim Handschliff entgegen. Der Nassschliff hat die Vorteile, dass sich das Schleifpapier weniger mit Staub zusetzt und zudem flexibler ist. Dadurch können Vertiefungen und Rundungen besser geschliffen werden.
Schleifvliese bestehen aus Nylonfasern, in die das Schleifkorn eingebettet ist. Schleifmaschinen gibt es als elektrisch oder pneumatisch betriebene Geräte. Üblich sind Bandschleifmaschinen, Winkelschleifer, Schwing- oder Exzenterschleifgeräte.
Wird bis zum blanken Stahl durchgeschliffen, muss zusätzlicher Korrosionsschutz aufgetragen werden.
- Kunststoff Vorbehandlung
Kunststoffoberflächen werden durch das sogenannte Tempern, dem Erhitzen mit einer bestimmten Temperatur und einer vorgegebenen Zeit, vorbereitet.
- Abdecken von Fahrzeugteilen
Um die unbeschädigte Fahrzeuglackierung vor Sprühnebel oder Spritzstrahl zu schützen, muss sie sorgfältig abgedeckt werden. Dafür benutzt der Fahrzeuglackierer Papier, Folie und Klebeband. Die verwendeten Materialien dürfen von dem Lack nicht durchdrungen werden. Die Klebebänder müssen wasser- und wärmeresistent sein und sollen auf allen Oberflächen gut haften. Nach der Lacktrocknung sollen sie sich rückstandslos entfernen lassen. Außerdem müssen die Kanten so ausgebildet sein, das ein darunter laufen des Lackes verhindert wird. Eine Dehnfähigkeit ist ebenfalls gewünscht, damit auch gekrümmte Flächen beklebt werden können, ohne das das Tape reißt. Abdeckfolien müssen ebenfalls wärme-, lösemittel- und lackbeständig sein.
Um Streifendesigns herzustellen, werden Farblinien- und Schablonenbänder benutzt. Für individuelle Designlackierungen verwendet man Kurvenbänder.
- Technische Merkblätter
Materialien sind nach Herstellervorgaben zu verarbeiten. Informationen dazu stehen in den technischen Merkblättern, die Infos über die Materialeigenschaften, Anwendung, Mischungsverhältnisse mit anderen Komponenten, Topfzeit, Verarbeitung, Ablüftzeit, u.v.m. enthalten.
- Prüfmethoden
Um festzustellen, ob der Untergrund für nachfolgende Arbeiten geeignet ist, werden verschiedene Prüf- und Messmethoden eingesetzt. Die Nassschichtdicke wird mechanisch mit einem Exzenterrad, welches auf die nasse Beschichtung abgerollt wird, gemessen oder mit dem kammförmigen Nassschichtdicken-Messgerät nach Roßmann. Der kammförmige Messkörper wird in die Beschichtung gesetzt und zeigt dann die Schichtdicke auf einer Skala an.
Die Trockenschichtdicke wird zerstörungsfrei oder mit einer Zerstörung der Beschichtung gemessen. Eine Messuhr wird auf die Stelle gesetzt, auf der die Beschichtung entfernt wurde. Zwischen zwei starren Füßen der Uhr gibt es einen beweglichen Taster, der die Differenz der Beschichtung und der Stelle, wo die Beschichtung entfernt wurde, misst. Mit der magnetischen Schichtdickenmessung wird die Beschichtung nicht beschädigt. Das Verfahren funktioniert bei magnetischen Untergründen. Wird auf einer verzinkten Karosserie gemessen, muss die Dicke der Zinkschicht abgezogen werden, da sie nicht magnetisch ist und deshalb als Beschichtung gemessen wird. Außerdem gibt es noch das magnetisch-induktive- sowie das Wirbelstromverfahren.
Mit der sogenannten Gitterschnittprüfungv wird die Haftfestigkeit des Untergrundes beurteilt. Dabei wird ein Gitter mit 25 Quadraten in die Oberfläche geritzt, die bis zum Untergrund durchdringen, ihn aber nicht verletzen. Daraufhin wird ein Klebeband auf die Fläche gedrückt und ruckartig wieder abgezogen. Mit einer Handbürste wird dann über die Fläche gebürstet. Die getestete Fläche wird dann je nach abgelösten Quadraten mit Gt = 0 (Sehr gut) bis Gt = 5 (sehr schlecht) bewertet. Ab Gt = 3 muss der alte Untergrund entfernt werden.
- Rückverformung von Karosserieblechteilen
Sind großflächige Rückverformungen an Fahrzeugen durchzuführen, wird ein Zug- und Gegenhalter eingesetzt. Kann man bei kleineren Verformungen an die Rückseite der Schadensstelle gelangen, wird das Reine Hebelsystem oder das MAGLOC-Verfahren angewandt. Beim reinen Hebelsystem werden spezielle dünne Rundstähle durch Hohlräume geführt um die Einbeulung zu entfernen. Beulen dürfen dabei eine Maximalgröße nicht überschreiten.
Das patentierte MAGLOC Verfahren wird bspw. bei Hagelschäden oder Dellen eingesetzt. Bei der magnetic location (magnetische Ortung) wird mit eine magnetische Stahlkugel außen auf die Delle gesetzt. Das dazugehörige Drückerwerkzeug hält die Kugel an der zu reparierenden Stelle fest. Durch anschließendes herausdrücken wird die Delle entfernt.
Mit verschiedenen Ausbeulmethode werden größere Dellen instand gesetzt. Dazu werden verschieden geformte Hammer und Gegenhalter, das Zughammer-Verfahren, der Airpuller oder auch wärmetechnische Verfahren verwendet. Zudem werden Spachtelmassen aufgetragen oder die Stelle wird verzinnt. Bei einwandigen Karosserieteilen werden beim bereits genannten Zughammerverfahren Zugnägel an die beschädigte Stelle geschweißt und die Vertiefung durch Zug etwas mehr als nötig herausgezogen, um danach die Oberfläche mit einem Hammer zu glätten und für die weitere Bearbeitung vorzubereiten. Automatisch arbeitet der Airpuller. Eine Stiftelektrode wird mit der Mitte der Delle verschweißt um sie daraufhin hinauszuziehen. Beim verzinnen von Blechteilen werden restliche Vertiefungen mit Schwemmzinn ausgeglichen. Man kann auch Kunststoff-Spachtelmasse verwenden.
Reparatur- und Serienlackierungen
Zwischen der Autoserienlackierung und verschiedenen Reparaturlackierungen bestehen einige Unterschiede. Bei der Reparaturlackierung verbleiben, im Gegensatz zur Autoserienlackierung, Verkleidungen, Sitze, Polsterungen im Auto. Außerdem werden andere Beschichtungsstoffe eingesetzt. Reparaturlacke müssen allerdings zu einer gleichwertigen Lackierung wie die Serienlackierung führen.
Reparaturlackierungen
Ein beispielhafter Lackier-Arbeitsablauf:
- Reparaturstelle reinigen
- schleifen, strahlen
- Spachtelmasse aufziehen und schleifen
- Kontrollfarbe aufbringen, abwischen und anschleifen
- Feinspachtelmasse aufziehen
- zusätzlicher Korrosionsschutz (Isoliergrund) aufbringen
- Füller auftragen und schleifen
- Decklack spritzen und Klarlack überziehen
Bei der Reparaturlackierung wird versucht, den Korrosionsschutz wieder herzustellen. Bei Eisen, Stahl und Leichtmetallen werden dafür Aktivgründe wie säurehärtende Schutzgrundierung (Wash-Primer) oder Grundierungen auf Epoxidharzbasis verwendet.
Eine weitere Komponente der Lackierung ist der Füller. Es gibt Produkte, die Grundierung und Füller vereinen. Mit Spachtelmaterialien werden Unebenheiten auf der Oberfläche ausgeglichen. Es gibt 2-Komponenten Spachtelmasse, die angemischt und mit einem Metall- oder Kunststoffspachtel aufgetragen wird. Spachtelstellen sind mit Füller (auch Grundierfüller) abzudecken, um einen gleichmäßigen Untergrund für den Decklack zu schaffen.
Steinschlagschutz, Unterbodenschutz und Hohlraumkonservierung schützen das Fahrzeug. Wasserverdünnbare und schleif- und überlackierbare Steinschlagschutzmaterialien werden im Schwellenbereich über Grundierung und Füller aufgetragen.
Der Unterbodenschutz ist ein vollkommener Überzug am Unterboden des KFZ. Das Dauerelastische Material wird in einer Dicke von etwa 1,5 mm aufgebracht. Er schützt vor Korrosion und hat eine Antidröhnwirkung sowie Dämpfungseigenschaften bei Blechvibrationen. Ist die Schutzschicht beschädigt, muss sie instand gesetzt oder erneuert werden. Soll der Unterbodenschutz entfernt werden, ist ein Heißluftfön oder ein Spachtel zu verwenden. Das Entfernen mit dem Hochdruckreiniger oder das Abbrennen des Unterbodenschutzes sind nicht geeignet. Ausbesserungsmaterial soll aus der gleichen Zusammensetzung wie das Originalmaterial bestehen.
Hohlräume werden mit Hohlraumkonservierungsmitteln gegen Rost geschützt. In der Regel werden die Mittel zur Hohlraumkonservierung auf Wachsbasis hergestellt. Sie sind wasserabweisend, kriechfähig und bleiben auch bei Kälte elastisch. Mittels Sonden wird das Material in die abgeschlossenen Räume eines Fahrzeugs eingebracht. Die Schichtdicken liegen etwa bei 0,1 bis 0,4 mm. Nach einer Reparatur an der Karosserie oder dem ersetzen von Blechteilen wird von den Autoherstellern eine Versiegelung der Hohlräume vorgeschrieben.
Decklack wird nach dem sorgfältigen Reinigen der Fläche aufgetragen. Nach der Verwendung von Teer- und Silikonentferner darf die Fläche nicht mehr berührt werden. Vor dem Lackauftrag ist die Fläche noch von Staub zu reinigen. Dazu werden ein Staubbindetuch und die Ausblaspistole verwendet. Man unterscheidet 1-, 2- oder 3-Schicht Lackierverfahren.
Der klassische Lackaufbau einer Reparaturlackierung im Überblick:
- Grundierung als Korrosionsschutz und Haftvermittler auf das rohe Blech.
- Füller um Unebenheiten zu `füllen`. Wird nach dem trocknen glatt geschliffen.
- Basislack enthält als farbgebende Schicht auch Effekt- und Metallicpigmente.
- Klarlack schützt vor Umwelteinflüssen und anderen Belastungen.
Autoserienlackierung
Als Bestandteil der Fertigungskette wird die Autoserienlackierung am Produktionsband aufgebracht. Da bei der Produktion praktisch nur Metall erhitzt wird, ist der thermischen Lackhärtung kaum eine Grenze gesetzt. Da der Autoserienlack aus mehreren Schichten besteht, spricht man auch hier von einem Lackaufbau.
- Entfetten und Reinigen der Bleche
Tauchen der Rohkarrosse in Reinigungsmitteln und gutes Nachspülen um Reste zu entfernen.
- Phosphatierung
Besprühen der Rohkarosse mit Phosphatsalzlösungen. Dabei bildet sich eine Metall-Phosphatschicht, die vor Korrosion schützt und eine gute Haftung gewährleistet.
- Kathodische Tauchlackierung, `KTL`
Die Karosse wird in die wässrige Dispersion eines Einbrennlackes getaucht. Mittels einer angelegten Spannung wird die Karosse als Kathode geschaltet und zieht so die positiv geladenen Dispersionsteilchen an. In einer sich bildenden, alkalischen Grenzschicht an der Oberfläche der Karosse sind die sich entladenden Dispersionsteilchen wasserunlöslich und legen sich an der Metalloberfläche an. Die anhaftende Schicht wird eingebrannt, bildet einen Korrosionsschutz und deckt kleinste Riefen ab.
- Dichtmasse, Unterboden- bzw. Steinschlagschutz
Die Nahtabdichtung an Falzen, Fugen und Überlappungen des Blechs unterbindet Korrosion. Unterbodenschutzbeschichtungen schützen mit elastischem Lackmaterial vor Steinschlag. Als Material werden PVC und PUR eingesetzt.
- Füller
Im Außenbereich wird der Füller pneumatisch aufgetragen. Er bietet Korrosions- und Steinschlagschutzschutz und gleicht kleinere Mängel an der Oberfläche aus. Zudem schützt der die KTL vor UV-Licht und verbessert die Haftung des Decklacks. Unebenheiten oder Staubeinschlüsse werden nach dem Aushärten geschliffen und die Fläche daraufhin gereinigt. Der Füller kann schon Farbe enthalten um die nachfolgende Kolorierung zu unterstützen. Füller gibt es wässrig oder pulverförmig. Manche Kunststoffteile werden nach der Füllerapplikation montiert, damit sie in Wagenfarbe lackiert werden können. Bspw. Kotflügel.
- Basislack
Mit dem Basislack werden Bunt- und Glanzpigmente aufgetragen. Sie können Aluminium- und Perleffektpigmente enthalten. Die eher wässrigen Systeme werden in der Regel robotergesteuert elektrostatisch aufgebracht. Der Basislack wird bei etwa 60° abgelüftet und ist danach nicht hart und glänzt auch nicht.
- Klarlack
Damit sich die optische Wirkung der Decklackierung entfalten kann, wird ein farbloser Klarlack aufgezogen. Er schützt außerdem vor äußeren Einflüssen wie UV-Licht, chemischen oder biologischen Einwirkungen und vor mechanischen Beschädigungen. Aufgespritzt wird der Klarlack nach einer Ablüftzeit eingebrannt.
- Hohlraumversiegelung
Als Abschluss der Lackierung werden die Hohlräume mit Heißwachs geflutet oder ausgespritzt.
Neulackierung als Reparaturlackierung
Bei neuwertigen Fahrzeugen ist aufwendige Spachtel- und Füllerarbeit nötig. Der Decklack muss einwandfrei zum Originallack passen.
Zeitwertlackierung
Diese Lackierung entspricht dem Zeitwert des Autos. Das ganze KFZ hat schon leichte Kratzer und Beulen, so dass zeitintensive Spachtel- bzw. Schleifarbeiten nicht in der Form einer Neulackierung vorgenommen werden müssen.
Verkaufs- oder Gebrauchtwagenlackierung
Kann die Lackoberfläche durch Polieren nicht verbessert werden, wird diese günstige Lackierung ausgeführt. Die Karosseriefläche wird gereinigt, entrostet und Unebenheiten werden ausgeglichen. Daraufhin wird ein Haftvermittler und, nass in nass, ein Decklack aufgebracht.
Autoglasscheiben
Im Allgemeinen werden heute nur noch Verbundglasscheiben im Kraftfahrzeugbau eingesetzt. Dabei werden zwei Einzelscheiben mit einer Kunststofffolie in der Mitte verklebt. Bei einem Schaden hält die Folie die Splitter fest und verhindert so Schnittwunden. Außerdem sorgt die Kunststoffschicht dafür, dass beim Steinschlag nur die äußere Scheibe beschädigt wird und die innere Glasschicht unbeschädigt bleibt. Wird die Folie eingefärbt, kann sie zu einer Wärmeschutzverglasung werden oder auch als Sichtschutz in den Innenraum dienen.
Schäden an Verbundglasscheiben dürfen unter zwei Bedingungen repariert werden: die Schadensstelle darf nicht im Fernlichtfeld des Fahrers liegen und das Reparaturharz muss UV-beständig sein bzw. der Lichtbrechungsindex muss gleich sein. Bei der Reparatur wird die schadhafte Stelle mit Harz gefüllt. Dabei muss gewährleistet sein, dass das Reparaturharz eine hohe Kapillarität und gute Benetzungseigenschaften hat. Das Harz wird unter Druck in die Schadensstelle gepresst, mit UV-Licht ausgehärtet und mit einem Finishharz abgeschabt und poliert. Außerdem sind einige Vorgaben bei der Verbundglasreparatur zu beachten: Es darf nur die äußere Glasschicht betroffen sein, die Stelle muss frei von Feuchte oder Schmutz sein, der Durchmesser des Einschlagkraters sollte im Normalfall nicht größer als 5 mm sein und Sprünge dürfen vom Einschlagzentrum aus nicht länger als 5 cm sein.
Heute werden Autoscheiben oft eingeklebt, statt mit einer Gummiwulst in Lage gehalten. Durch das Kleben werden unter anderem eine höhere Verwindungssteifigkeit und eine Verringerung der Scheibendicke und somit des Scheibengewichts erreicht. Um die Scheiben auszutrennen gibt es verschiedene Möglichkeiten.
- Eingelegter Heizdraht
- Draht-Zieh-Methode
- Draht-Zieh-Methode mit Aufspulvorrichtung
- Eingelegter Schneidefaden
- mechanisches Kaltschneideverfahren
- Thermoschneideverfahren
Beim Einbau einer zu verklebenden Scheibe muss darauf geachtet werden, dass die Klebeflächen sauber sind und mit Haftvermittler beschichtet werden. Vorgaben der Kleberhersteller sind zu beachten. Der Kleber sollte ca. 10 mm dick in der Querschnittsform eines Dreiecks auf den Scheibenrand gedrückt werden. Ist die Scheibe mit einer sogenannten Kleberaupe belegt, wird sie mit einem Saugheber eingesetzt und mit Distanzstücken bis zum Anhärten in Position gehalten. Damit die Klebezone nicht mehr zu erkennen ist, hat die Autoscheibe eine Schwarzfärbung am Rand, die Richtung Scheibenmitte nur noch Punkte aufweist.
(c) by Päffgen GmbH bzw. deren Autoren 2008, www.anstriche.de
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